Sonntag, 9. August 2009

Die Abenteuer der Juliane H. Teil I – der Kurztrip nach Deutschland

Hier kommt der erste Teil meiner Nachtragungen:

Ich versuche mich kurzzuhalten, aber schließlich schreibe ich das hier auch für mich, damit ich, wenn ich alt, grauhaarig und zahnlos bin, noch genau weiß, was ich in meinem Jahr in den USA so getrieben habe… also, here we go:

Wie die meisten von euch sicherlich wissen, war der Grund meines Heimatbesuchs im Juni 2 Aufnahmeprüfungen für Schulmusik – eine in Leipzig und eine in Dresden.

Und so machte ich mich Dienstags, 2.6.09 gleich nach meinem morgendlichen Arbeiten ans Fertigpacken… gut ich gebe zu “things got out of control” und ich musste am Ende wie immer durchs Haus rennen, um noch den geplanten Zug zu erwischen. Zwar sollte mein Flieger erst 17:45 gehen, aber bis zum JFK airport ist es auch ein Stück (zumindest ist es zeitintensiv, wenn man sich mit Zug und Subway fortbewegt…) und ich wollte mich noch mit einem Freund in NYC treffen, der mich auch zum Flughafen begleitete. Und ohne einen 2. Träger säße ich wahrscheinlich heute noch auf meinen Koffern, die beide 20 Kilo wogen (HAL-LO-O Ich muss doch schon mal “ein paar Sachen” mit nach Hause nehmen^^), an der Pennstation.

Nach einigem Hin- und Herfahren, da die Subwaylinie, die wir gebraucht hätten, mal wieder nicht fuhr (wieso passiert das eigentlich immer, wenn man wirklich mal nen Termin hat?!), kamen wir schließlich an der letzten Haltestelle an, von der aus ein “air taxi” alle Terminals des Flughafens abklappert. Ein freundlicher Herr erklärte uns, dass man nicht mit der Metrocard bezahlen kann, sondern eine extra Karte kaufen muss – das halte ich für ein Gerücht, sagte ich – und siehe da, der Drehkreuzdurchgang mochte mich und akzeptierte meine Subway-Karte. Das erstaunte den freundlichen Mann, der behauptete bei ihm hätte das noch nie funktioniert und man hatte wieder etwas Neues gelernt.

Das Einchecken und Boarding verlief problemlos. Im Flugzeug saßen 2 Mädchen aus Österreich neben mir, die sich über den Namen der Stewardesse Ms Fritz, die uns über die Lautsprecher vorgestellt wurde, mehr amüsieren konnten, als über den anschließend gezeigten Mr Bean Film. Leider war ihr Lachen sehr ansteckend, aber wenigstens wars nicht langweilig. Hinter mir saß ein sehr gesprächsfreudiger Ami, der sich  mit mir über Rosetta Stone, ein Sprachlernprogramm, unterhielt.

Über Nacht fliegen empfinde ich als sehr angenehm und somit kam ich nach gefühlten 3 Stunden in Düsseldorf an.

Dort wurden wir als erstes von 4 mit Nase-Mund-Schutz maskierten Ärzten vom Gesundheitsamt Düsseldorf begrüßt, uns wurden die zuvor ausgefüllten Formulare über unseren Aufenthaltsort in Deutschland und die Frage nach Symptomen wie Fieber, Schnupfen und Schüttelfrost abgenommen und es wurde sich noch einmal nach unserem Wohlbefinden erkundigt. Leicht genervt über den ganzen Schweinegrippen-Rummel antwortete ich, dass es mir noch nie besser ging. Die Strafe für mein Rumgezicke kam Freitags, doch dass erzähle ich euch später.

Nach dreistündiger Wartezeit wurde ich in einer wesentlich kleineren Maschine gemeinsam mit einer Herde Businesstypen nach Dresden verfrachtet. Trotz der Anspielung der Dame vom Sicherheitscheck Düsseldorf wurde mir meine schöne Handtasche von der Canal St nicht weggenommen und ich kam ohne Probleme durch den Zoll. Glück gehabt!

Statt dem versprochenen Vater wartete dort meine ganze family auf mich und unerwarteter Weise musste ich anfangen mit weinen, als ich meine Schwestern sah, die doch ein gutes Stück gewachsen waren. Es wurde zurückgeweint und wenig später saßen wir im Auto auf dem Weg nach Burgstädt. Es sah schon (für mich mittlerweile) ungewohnt grün und dörflich nebst der Autobahn aus… der Mensch ist halt doch ein Gewohnheitstier und auch wenn ich mich sonst über unser Tempolimit hier (also in den USA) aufrege, hatte ich wohl vergessen, wie es sich anfühlt mal schneller als umgerechnet 130km/h unterwegs zu sein. Antonia strahlte mich an und sagte bestimmt viermal, dass sie so froh ist, dass ich endlich wieder da bin. Und natürlich freuten sich auch meine Eltern und Miriam, die mich sehr vermisst hatte.

Unsere Wohnung kam mir sonst immer viel größer vor und auch mein Zimmer hatte ich geräumiger in Erinnerung. Doch das störte mich alles nicht. Als ich mich noch am gleichen Tag, nachdem ich ca. 25 Stunden auf den Beinen war, auf den Weg zur Logopädin für mein Stimmliches Gutachten machte, wurde mir allerdings erstmalig bewusst, dass an den Erzählungen anderer Austauschschüler/ Au Pairs etwas dran ist: ich wollte es nie glauben, dass man sich in der eigenen Heimat “fehl am Platz fühlen” könnte, dass “es komisch ist, wenn man sich selbst verändert hat, sein ehemaliges Umfeld aber kaum” oder dass “einen wiederum Veränderungen, die stattgefunden hatten, stören könnten” – ich hatte das als – pardon my French – bullshit abgetan. Vielleicht war es die Übermüdung, vielleicht die Eindrücke die auf mich einstürzten, vielleicht der komische Eigenwille meines Mundes, der immer wieder die an die Logopädin gerichteten Sätze auf Englisch zu formulieren suchte oder einfach alles zusammen – jedenfalls konnte ich mir selbst nicht mehr richtig glauben, dass das alles “no big deal” wäre.

Nach 3 Tagen fühlte ich mich allerdings schon wieder wohler, was nicht zuletzt der Geduld meiner Familie zu verdanken ist. Antonia musste ich versprechen, sie gleich am ersten Tag aus dem Kindergarten abzuholen und Abends kam sie sich noch einmal versichern, dass ich mich nicht über Nacht davonstehlen würde =)

Am nächsten Tag sagte sie dann ganz stolz, mit dem Finger auf mich zeigend, zu ihrer Kindergärtnerin: Guck mal, wer da ist -  meine Schwester aus Amerika! ^^

Es folgten viele Besuche von allerlei Freunden, über die ich mich sehr freute. Außerdem standen noch ein paar Arztbesuche an, ich ging zur großen Pause ins Gym und bereitete mich noch ein wenig auf meine Aufnahmeprüfungen vor. Am Freitag, ich war gerade am Gesang üben, klingelte das Telephon, mein Papa nahm ab und reichte mir dann den Hörer mit den Worten: “Das Gesundheitsamt Mittelsachsen für dich.” Da ich allerdings meinen Vater uns seine Späße kenne, war ich fest davon überzeugt, dass es einer meiner Freunde wäre. Als sich dann herausstellte, dass es doch Frau Soundso vom Gesundheitsamt war, schossen mir 1000 Gedanken mit einmal durch den Kopf. Die Frau vom Amt erklärte mir, sie wäre in einer halben Stunde bei mir, da sie einen Abstrich machen müsste. In meinem Flugzeug vom JFK nach Düsseldorf war nämlich ein Passagier an der Schweinegrippe erkrankt worden und da dieser/diese in meinem 2m Umfeld saß (auf einem Flug mit ca. 300 Fluggästen.. na toll!), musste ich nun untersucht werden. Man erklärte uns, dass man andere mit Influenza, schon 24 Stunden bevor man selbst Symptome hat, infizieren kann. Außerdem kann man sich sehr leicht anstecken, da die Verbreitung über Tröpfcheninfektion erfolgt. Demzufolge hätte ich, wäre ich erkrankt gewesen, schon halb Burgstädt infiziert.

Am nächsten Tag gab es allerdings, Gott sei Dank, Entwarnung. Als hätte ich nicht schon genug Stress gehabt.

In Leipzig traf ich früh auf jede Menge junge Musiker (meist jedoch älter als ich), die die ganze Zeit damit angaben, an welchen Hochschulen sie schon überall Aufnahmeprüfungen überstanden hatten. Für mich war es ja die erste und dementsprechend nervig fande ich dieses Gerede.

Zuerst hatten wir Gehörbildungsklausur mit Intervall- und Akkordhören, einstimmigen Diktat usw., darauf folgte die künstlerisch, kreative Präsentation und die Prüfung im Hauptfach (in meinem Fall klassischer Gesang). Nach einer Kaffeepause im neu eröffneten Leipziger Starbucks (mein Papa hatte Angst, ich hätte schon Entzugserscheinungen) ging es weiter mit “pädagogisches Handeln in einer Gruppe”. So weit, so gut. Alle Prüfungen hatte ich bis dahin bestanden, doch die letzte Prüfung in Tonsatz/ Schulpraktisches Musizieren gelang mir leider nicht. Trotz Wiederholung bei einem 2. Professor war man der Meinung, ich hätte mich als echter Musiker schon mehr mit Tonsatz und Komposition auseinandersetzen müssen und dadurch mehr darüber bescheid wissen müssen. Dass ich ehrgeizig und gewillt bin, mein fehlendes Wissen aufzuholen, scheint nicht zu reichen und somit fuhr ich mit einer Absage wieder (es war mitlerweile 17 Uhr) nach Hause.

Ein paar Tage später (ich hatte mich soweit das möglich war noch mit Tonsatz beschäftigt) fuhr ich, diesmal mit meiner Mama, nach Dresden. Natürlich liefen dort die ganzen Prüfungen anders ab, man will es den Bewerbern ja nicht zu einfach machen. Nach Gehörbildungs- und Theorieklausur wurde zur Prüfung im Haupt- und Nebenfach aufgerufen. Die Korrepetitorin, mit der ich mich aufs Tempo abstimmte, machte mir nochmal Mut und meinte: “Sie haben aber eine Stimme. Sind die Erste, die heute mal richtig loslegt.”

Ich sang zu meiner vollkommenen Zufriedenstellung, war kaum aufgeregt und super froh, dass so gut über die Bühne, im wahrsten Sinne des Wortes, gebracht zu haben. Leider durfte ich mein bestes Lied (“Le Violette” von Scarlatti) nicht mehr singen, da man erst mal genug gehört hätte. Nachdem ich dann ein paar Minuten draußen gewartet hatte, wurde mir dann mitgeteilt, dass man sich noch nicht einig sei, ob mir eine Empfehlung ausgesprochen würde oder nicht, ich aber vorerst nicht damit rechnen soll.

Ohne wirklich etwas erreicht zu haben, setzte ich mich ein paar Tage später wieder ins Flugzeug zurück nach New York.

Fazit: Es war schön, nach 11 Monaten meine Familie und Freunde wiederzusehen, natürlich war ich etwas enttäuscht, dass es mit der Aufnahme an keiner der HfM´s geklappt hatte, aber da ich mit meiner Leistung im musischen Bereich zufrieden war und weiß, dass ich an der Theorie noch weiter arbeiten muss, hielt sich mein Ärger in Grenzen und ich war einfach froh, wieder “nach Hause” fliegen zu können und dort meine letzte Zeit genießen zu können.

Dienstag, 4. August 2009

Der letzte aus Amerika!

Ein Hallo ueber den Teich!
Seit gestern bin ich wieder an der Ostkueste. Ich hatte einen GENIALEN Urlaub im Westen der USA und habe sooo viel erlebt und gesehen.
Morgen 9:25pm geht mein Flieger nach Deutschland.. d.h. bis dahin ist hier nochmal schoen viel Stress. Jeder will Tschuess sagen, ich war heute ein letztes Mal in New York und natuerlich nimmt auch das Packen einige Zeit in Anspruch!!!
Meinen ausfuerhlichen Bericht ueber meinen Trip an der Westkueste schreibe ich dann von Deutschland aus...
meine Guete, ich kann nicht glauben, dass ich mich morgen nun zum 3. Mal auf zum JFK mache.. nur diesmal gehts ganz nach Hause.
Ich wuensche euch noch eine schoene Woche und werde sicherlich die meisten von euch bald sehen.
Liebe Gruesse.. zum letzten Mal aus den USA
Jule